Vergangene Woche habe ich einen Kurztripp in die Finanzmetropole Europas London unternommen. Nicht nur Madame Tussauds wachsweiche Figuren standen auf dem Programm, sondern auch ein näherer Blick bei den „harten“ Frauen und Männern in der größten Finanzmetropole Europas: Architektonisch ist der Bereich in Canary Wharf -Stadtteil der Banken und Versicherungen- interessant und modern, aber hat auch etwas von kühler, nüchterner Atmosphäre. Wie die Finanzwirtschaft für viele halt…
Interessanter war aber für mich der Besuch bei

Lloyds of London

Für die meisten ist der Begriff Lloyds sicher verbunden als Name für einen berühmten Versicherer. Das ist aber nicht korrekt. Denn es ist „nur“ ein internationaler Versicherungsmarkt. Lloyds of London ist nämlich keine Firma, sondern eine Börse, an der mit Versicherungen gehandelt wird.

Anfänglich (vermutlich ab 1688) hat ein Herr Edward Lloyd ein Kaffeehaus betrieben und dort trafen sich viele Geschäftsleute. Einige Reiche davon waren bereit, da damals der Seehandel blühte, Risiken im Bereich der Schiffahrt abzudecken, indem sich mehrere „Versicherungsgeber“ (vermögende Privatleute, sogenannte „names“) zusammen getan haben.  Diese haben einen festen Prozentsatz des Warenerlöses auf einem Schiff als Prämien erhalten, wenn das Schiff seinen Zielort erreicht hat. Hat das Schiff aber den Zielort nicht erreicht, dann mussten der Reeder bzw. die Handelskaufleute nichts bezahlen. Heute ist das ein bisschen anders…

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Lloyds Kaffeehaus dann zu einem Zentrum für private Versicherungen aller Art. Edward Lloyd starb 1713, das Kaffeehaus bestand unter dem Namen Lloyd’s weiter.

Lloyds Building

Das heutige Gebäude bzw. die Architektur hat mich dann etwas nachdenklich gemacht: Der Architekt Richard Rogers hat das Gebäude so konstruiert, das alle Versorgungsleitungen des Gebäudes nach aussen verlegt worden sind. Das sieht nicht nur interessant aus, sondern es soll auch als Zeichen dienen, dass offen gehandelt, gearbeitet und kommuniziert wird. Tolle Idee!

Das Wahrzeichen von Lloyds ist aber die Bordglocke eines Schiffs, die heute noch im Mittelpunkt steht. Diese legendäre Lutine Bell, die angeblich zu einer 1799 in der Nordsee gesunkenen Fregatte gehörte, wurde 1857 aus dem Meer geborgen. Seitdem ist sie auf dem Parkett von Lloyds mit ihrem Klang im wörtlichen Sinn tonangebend: mit einem Schlag werden gute, mit zwei Schlägen schlechte Nachrichten angekündigt.

Wenn ich die letzten Jahre meiner Tätigkeit betrachte, bekomme ich ein ganzes Glockenspiel zusammen…

In diesem Sinne gehe ich nun wieder gestärkt und motiviert an die Arbeit. und wenn Sie eine kleine Glocke zukünftig auf meinem Schreibtisch sehen werden, dann wissen Sie ja Bescheid…

Ihr

Markus Schmitz